Idealisierte Werbung als Bumerang?

17.04.2019

Beim Betrachten von Werbespots zu Fleisch, aber auch von Werbeanzeigen in den elektronischen und den Printmedien fällt immer wieder auf, dass mit oft realitätsfernen Botschaften wie zum Beispiel den freilaufenden Schweinen auf dem Kleinbauernhof oder den über den Miststock laufenden, lautstark gackernden Hühnern mit allen Tücken und Techniken des Marketings um die Gunst der Kundinnen und Kunden gebuhlt wird.

Dabei wird leider oft vergessen, dass in breiten Kreisen unserer Bevölkerung vor allem in städtischen, zunehmend aber auch in ländlichen Gebieten der Bezug zur eigentlichen Herkunft unserer Lebensmittel nur noch rudimentär vorhanden oder gar verloren gegangen ist. Als etwas überspitzte Beispiele hierzu sind sicherlich die Milch aus der Tetra-Packung, aber auch das vorverpackte Fleisch aus der Selbstbedienungstheke zu nennen. Angesichts der ständigen «Beflutung» mit idealisierten Bildern darf es daher nicht erstaunen, wenn Bilder aus der Realität der hiesigen Nutztierhaltung, die auch aufgrund der erforderlichen Wirtschaftlichkeit die oft vorhandene Vorstellung von «Wohlfühl­oasen» schlichtweg nicht erfüllen kann, irritierte, ja gar verstörende Reaktionen hervorrufen. Dass in der Praxis wohl Aspekte wie das Tierwohl, die Regionalität bzw. die Produktequalität zum Tragen kommen sollen, dazu herrscht schon heute breiter Konsens.
Gerade in der aktuellen Zeit mit dem momentanen Hype um das Lebensmittel Fleisch – sei dies aus Gründen der Ethik, des Tierwohls, der Nachhaltigkeit auch unter Einbezug des aktuellen Klimas, der Ernährung und der Gesundheit – muss man sich jedoch vermehrt die Frage stellen, ob bzw. inwieweit derartige Marketingstrategien nicht immer mehr zu einem Bumerang für die ganze Fleischkette werden. Wäre es daher nicht an der Zeit, dass sich die Werbung verstärkt auf realitätsnahe, aber gleichwohl souveräne Botschaften konzentriert, die möglichst durch glaubwürdige Berufsleute noch zusätzlich untermauert werden? Ein gutes Beispiel hierfür ist sicherlich die derzeit laufende Werbekampagne von Proviande mit dem Slogan «Schweizer Fleisch – Der feine Unterschied». Warum also eine allgemeine Branchen-Werbephilosophie nicht einfach auch auf das einzelne Unternehmen übertragen? – zielführender und anhaltender wäre dies allemal!

Ruedi Hadorn, SFF-Direktor

 
 
 
 
Elias Welti, Leiter Kommunikation und stv. Direktor SFF
 
 
 
 
 

Schweizer Fleisch-Fachverband SFF · Sihlquai 255 · Postfach 1977 · 8031 Zürich · Tel. +41 (0)44 250 70 60 · Fax +41 (0)44 250 70 61 · info(at)sff.ch

Swiss Meat People
mefa
 
Lebensmitteltag 2019