1. Februar 2012
In der «Kassensturz»-Sendung vom 24. Januar wurde eine von der Forschungsanstalt Agroscope Liebefeld-Posieux durchgeführte Untersuchung zu rotem Fleisch präsentiert, welches in mit Sauerstoff angereicherten Schutzgaspackungen angeboten wird. Die nähere Betrachtung der gemachten Aussagen zeigt, dass diese auf rein instrumentellen Messungen beruhen, welche aufgrund der heutigen technischen Möglichkeiten bereits sehr feine Unterschiede aufzuzeigen vermögen. Hingegen fehlt eine sensorische Überprüfung mit Hilfe der menschlichen Sinne, die eine zuverlässige Aussage darüber ermöglichen würde, ob bzw. inwieweit die aufgezeigten Unterschiede auch sensorisch wahrnehmbar sind. Ebenfalls nicht berücksichtigt wurde die Tatsache, dass die Fleischfarbe selber ein Teil der Produktequalität ist, stellt doch der optische Eindruck ein bedeutendes Qualitätskriterium in jeder sensorischen Beurteilung dar. Auch enthalten die präsentierten Fleischstücke wenig Fett, weshalb das Auftreten von Ranzigkeit, auch in Anbetracht der kurzen Haltbarkeitsfristen, zusätzlich in Frage zu stellen ist. Zudem können die gezeigten mechanischen Messungen der Scherkraft nur Teilaspekte der anscheinend erhöhten Zähigkeit widerspiegeln, weshalb auch deren Aussagekraft begrenzt ist.
Reine Angstmacherei ist jedoch der nicht fundierte Hinweis auf eine mögliche Gesundheitsgefährdung. Dies auch deshalb, weil gewisse Studien aus Deutschland das Gegenteil zeigen und die Gefahr einer erhöhten bakteriellen Belastung durch die regelmässigen Kontrollen der Behörden und durch die Betriebe selber wie auch die vergleichsweise kurzen Haltbarkeitsdaten in der Praxis schon heute nachhaltig unterbunden werden. Denn Hand aufs Herz: Wenn die Gesundheitsgefährdung wirklich so zutreffen würde wie suggeriert, dann müsste die Schweizer Bevölkerung beim Genuss von Fleisch ja heute schon todkrank sein, was nachweislich ja nicht der Fall ist!
Daher die Bitte an die «Kassensturz»-Redaktion: Machen Sie nicht aus einer Mücke einen Elefanten, indem Sie einmal mehr ein eigentlich nicht relevantes Thema zu einem Pseudo-Skandal nach Ihrem Gutdünken hochstilisieren!
Ruedi Hadorn


